Der Tango entstand im späten 19. Jahrhundert in den Hafenvierteln von Buenos Aires, wo sich die ersten europäischen Einwanderer niederließen. Seine Wurzeln liegen in einer Kombination aus europäischen und südamerikanischen Einflüssen. In Argentinien fristete er lange Zeit ein Hinterhofdasein, der gesellschaftliche Durchbruch gelang erst mit seiner Anerkennung in Europa, als die ersten Einwanderer wieder auswanderten.
Die 30er und 40er Jahre waren die Hoch-Zeit des Tango: Eine Unzahl von Orchestern spielte jeden Abend zum Tanz in Buenos Aires, Paris und - bedingt - in Berlin.
In den 60ern wurden andere Tänze interessant, und musikalisch lief der Jazz dem Tango den Rang ab. In den 70er und 80er Jahren vertrieb die Militärdiktatur den Tango nahezu komplett aus Argentinien. Durch die natürliche Unvereinbarkeit von Diktatur und Kultur verließen zahlreiche Künstler das Land, um in Europa eine neue Heimat zu finden. Vom Heimweh getrieben, spielten viele dieser Exil-Argentinier ihre Musik, und so erlebte der Tango in Berlin, Paris und London eine Renaissance.
Nach dem Ende der Diktatur gelang dem Tango ein weiteres Mal der Sprung von Europa zurück nach Argentinien. Und schlussendlich versöhnte Astor Piazzolla, wenngleich etwas umstritten, wie viele experimentelle Musiker, auch Jazz und Tango. Und so ist der Tango Argentino längst keine Mode-Erscheinung mehr ‒ wenn er es überhaupt jemals war, ‒ sondern hat sich deutschland-, europa- und weltweit quer durch alle Gesellschaftsschichten etabliert.